-12000
Beginn des Anbaus von Pflanzen und
damit auch der Pflanzenzüchtung in Mesopotamien (heute Irak, Syrien, Iran) mit Gerste sowie Emmer und Einkorn, den Urformen des Weizens, aber auch Feigen. Erstmals werden gezielt Pflanzen ausgewählt und unter kontrollierten Bedingungen angebaut. Ernteüberschüsse ermöglichen
erste Wirtschaftsformen. Erste sesshafte Gesellschaften entstehen.
-5000
Der Anbau von Getreide ist nun auch in Mitteleuropa bekannt. Mittels Auslese der ertragreichsten Pflanzen und Einkreuzung von Wildgrasarten werden die Getreide-
sorten vielfältig verändert.
Vermutlich werden hier noch immer neue Anbaugebiete gerodet, bewirtschaftet und dann wieder sich selbst überlassen.
-2000
In verschiedenen antiken Kulturen werden Böden bereits systematisch gedüngt. Wo Städte mit grosser Bevölkerung ernährt werden müssen, wird die Landwirtschaft organisiert betrieben und gezielt weiterentwickelt.
-10000
Menschen beginnen an verschiedenen Orten weltweit mit dem gezielten Kultivieren von Pflanzen.
Weltagrarbericht 2008-14
Die Weltbank eröffnet nach der Jahrtausendwende eine umfassende
wissenschaftliche Betrachtung der Landwirtschaft unter dem
Gesichtspunkt der Welternährung. Agrarwissenschaftlerinnen und
Ökonomen, Biologinnen und Chemiker sind ebenso beteiligt wie Öko-
loginnen, Meteorologen, Anthropologinnen, Botaniker, Medizinerinnen,
Geografen, Historikerinnen, Philosophen und Vertreterinnen
traditionellen Wissens aller Kulturkreise.

Der daraus entstandene Weltagrarbericht wird zwischen 2008-2014
veröffentlicht und fordert einen radikalen Kurswechsel. Lösungs-
ansatz ist die Ausdehnung der ökologischen Landwirtschaft und die
Förderung von Kleinbauern weltweit. Der Bericht warnt vor den
Schattenseiten der industriellen Landwirtschaft mit Monokulturen,
Gentechnik und Agrochemie. Geistiges Eigentum und Patentierungen
von Pflanzen werden als Bedrohung der Vielfalt und der Ernährungs-
sicherheit erkannt.
2050?
Wie wird unsere Gegenwart wohl von zukünftig
lebenden Menschen bewertet?
Wie wird sich die Biodiversität weiterentwickeln?
Wie weit ist eigentlich unser zeitlicher Horizont,
wenn wir heute von Nachhaltigkeit sprechen?
1600-1800
Technische Neuerungen, wie z.B. der Huf-
beschlag bei Pferden, verändern die Land-
wirtschaft. Man besinnt sich nun auch in
Europa wieder auf die gezielte Auswahl
von Saatgut und Zuchttieren. Neue Feld-
früchte, auch aus Amerika, werden breit
angebaut (Rüben, Klee, Raps, Kartoffeln…).

Öd- und Brachland wird gezielt kultiviert
und Fruchtfolgen ermöglichen den dauernden
Anbau. Es kommt zu markanten Steigerungen
der Ernteerträge. Leider jedoch nicht
konstant, was zu Hungersnöten führt.
Quellen
Die Erfindung des Getreides (Museum der Brotkultur Ulm 2010)
pflanzenforschung.de (Bundesministerium für Bildung und Forschung)
Antike Populationen in Zahlen (Günter Stangl 2008)
Weltreiche Band 2 (Schreiber, Hermann 1981)
Farmers and Their Languages (Diamond 2003)
Warum die Menschen sesshaft wurden(Josef Reichholf 2008)
Genarchäologie (Artikel DIE ZEIT 2006)
Weltagrarbericht (IAASTD 2008, Zusammenfassung der Zukunfts-
stiftung Landwirtschaft 2013)
1900-2000
Die Landwirtschaft wird massiv industri-
alisiert und mechanisiert. Feldarbeit
wird nun mit sehr hohem Energieeinsatz
und immer weniger Arbeitskräften betrieben.
Biotechnologie und molekulare Genetik er-
möglichen im Labor Eingriffe bis ins Erb-
gut der Pflanzen. Gewinnorientierte Privat-
interessen drängen auf schnelle Verwertung
von Forschungsergebnissen und fordern
geistiges Eigentum von Saatgut.

Eine gemeinsinnig ausgerichtete Gegenbe-
wegung betont naturnahe Landwirtschaft,
kleinbäuerliche Tradition und Biodiversität.
800-1000
Die Dreifelder-Bewirtschaftung setzt sich
durch (1 Jahr Getreideanbau, 1 Jahr
Alternativanbau, 1 Jahr Brache). Es kommt
zu Produktionssteigerung und Bevölkerungs-
wachstum in Europa.
1800-1900
Im Zuge der Aufklärung entwickelt sich die
"moderne" naturwissenschaftliche Denkweise.
Systematische Forschung mit statistischer
Auswertung führt zu den Erkenntnissen der
Vererbungslehre und auch zur Entwicklung
von Mineral- und Kunstdünger. Eine Vielzahl
Maschinen wird erfunden. Der Bedarf an
Arbeitskräften in der Landwirtschaft
schrumpft.
700
Arabische Kulturen führen Bewässerungs-
techniken in Spanien ein und importieren
Nutzpflanzen wie Baumwolle, Zuckerrohr
und Brombeeren aus ihrer Heimat. Dank
dem fortschrittlichen Umgang mit Wissen-
schaft im arabischen Kulturraum sind
Erkenntnisse aus der Antike über das
europäische Mittelalter hinaus erhalten
geblieben.
0-500
Beispielsweise die Römer bauen Getreide, Wein, Obst und Gemüse vorerst sehr erfolgreich als freie Kleinbauern an. Mit Beutereichtümern werden mit der Zeit die Höfe zusammengekauft und es entstehen riesige Landgüter mit Arbeitssklaven. Die landwirtschaftliche Entwicklung bricht ein und die Ökonomie schrumpft langsam zu einer knappen Selbstversorgungswirtschaft, wie sie später auch das Mittelalter kennzeichnet.